Spieltag 14 | Westvorstadt

Spieltag 14 im Kurzüberblick

Gegner: Spielvereinigung Greuther Fürth

Ergebnis: 0:0

Gefühlslage: erleichtert

Der Song zum Spiel: „Wir reißen Bäume aus, wo keine sind“

Diese eine Liedzeile im Fangesang unserer Freunde aus der Westvorstadt hat mich fasziniert, seit ich sie zum ersten Mal hören musste. „Wir reißen Bäume aus, wo keine sind.“ Was will uns der geneigte weiß-grüne Fan damit sagen?  Dass er viel heiße Luft um Nichts macht? Dass er gerne seine Energie (an den falschen Verein) verschwendet? Dass er eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Selbstironie besitzt? Auch mein geschätzter Kollege Willi konnte mir auf Nachfrage keine Antwort geben. Eine kurze Recherche im weltweiten Netz ergibt aber ziemlich schnell: Es ist Teil eines Landjugend- oder Volksliedes. Zitat: „Der Ortsname ist nach Belieben zu ersetzen.“ Kein weiterer Kommentar. 😉

Nun, da wir aber schon beim Thema sind, werfen wir also noch einen Blick zurück auf das 265. Derby. Für die einen „DAS Spiel des Jahres“, für die anderen „ein Spiel wie jedes andere.“ Nun, für mich persönlich ist es schon immer etwas Besonderes, gegen die Westvorstädter zu spielen, das muss ich zugeben. Vielleicht, weil mein lieber Papa mir von klein auf eingeimpft hat, dass „das Beste an Fürth die U-Bahn nach Nürnberg“ ist. Der Klassiker halt. Und natürlich, weil mein Arbeitgeber nunmal die Stadt Fürth ist. Zum Glück bin ich freilich nicht die einzige Rot-Schwarze in der Stadtverwaltung. Aber „die anderen“ sind in der Überzahl. Allerdings war und ist das absolut kein Problem. Am Anfang bekam ich manchmal noch zu hören: „Was? Du bist Glubberin? Aber du bist ja ganz nett!“ Die ein oder andere verbale Breitseite bekam ich auch ab – aber ich habe auch ausgeteilt. Zu jeder Zeit, und das möchte ich wirklich betonen, von beiden Seiten mit einem Augenzwinkern, nie auf einem böswilligen oder gar beleidigenden Niveau. Es macht ja auch Spaß, sich ein bisschen zu kappeln.

Und daher habe ich bei diesem Derby – eher aus der (Karten-)Not heraus – den Schritt gewagt und mir das Match gemeinsam mit meinem Kollegen Willi auf der Pressetribüne angeschaut. Ein Spiel im Sitzen anschauen zu müssen, ist normalerweise die Höchststrafe für mich. Zum Glück konnte man den Stuhl auf Schienen vor- und zurückfahren und beim Aufspringen habe ich auch niemandem die Sicht genommen. Ein Pluspunkt ist die gute Sicht aufs Spielfeld (ok, man kann darüber streiten, ob das immer so gut ist…). Der Nachteil: Man kann seine Emotionen natürlich nicht so frei herauslassen, wie im Block.

Das Nullnull kam mir dahingehend natürlich entgegen. Aber ich war tatsächlich erleichtert und leicht optimistisch gestimmt nach den 90 Minuten. Um ehrlich zu sein, hatte ich mit dem Schlimmsten, mit einer krachenden Niederlage gerechnet. Das erste Spiel unter Jens Keller, ich war schon sehr gespannt, ob er bereits sichtbar etwas bei der Mannschaft bewegen konnte.

Die ersten Minuten ließen sich vielversprechend an, aber die erste Großchance der Fürther, als Daniel Keita-Ruell am quasi leeren Tor vorbeischlitterte, schien unsere Mannen derart zu verunsichern, dass man tatsächlich froh sein musste, dass die Weiß-Grünen ihre Angriffe nicht konsequenter zu Ende bringen konnten. Gegen Ende der ersten Halbzeit fingen sich Behrens und Co. wieder etwas. Und in den zweiten 45 Minuten erhöhte der Club nun deutlich den Druck – wenn auch ohne zählenswertes Ergebnis. Iuri Medeiros vergab in buchstäblich letzter Minute noch die Großchance zum Sieg. Insgesamt, wenn ich versuche, es neutral zu betrachten, ging das Nullnull aber wohl in Ordnung.

Willi schimpfte übrigens weitaus mehr neben mir. 😉

Noch eine kleine Anekdote am Schluss von heute Vormittag: Kindersprechstunde im Fürther Rathaussaal. Die Klassensprecher der vierten Klassen durften ihre Sorgen, Nöte und auch Lob loswerden. In der letzten Reihe ein kleiner Junge mit einer Trinkflasche vor sich auf dem Pult. Auf der groß das Club-Logo prangte. Ich konnte es mir nicht verkneifen, zu ihm hinzugehen, ihm zu sagen, dass er eine tolle Flasche habe. Er sah mich erst mit großen, dann mit leuchtenden Augen an. Wir zwinkerten uns zu und lächelten.  

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