9. Spieltag – Nix für schwache Nerven

Nix für schwache Nerven

Spieltag neun in einem Satz: Der 1. FC Nürnberg spielt unentschieden gegen Eintracht Frankfurt, immerhin die Mannschaft der Stunde und erfolgreicher Europa League-Teilnehmer. Ein unverdientes Remis – denn mit ihrem beherzten und mutigen Auftritt hätte die Club-Elf den Sieg und damit die drei Punkte verdient gehabt.

Oft führe ich harte Gefechte mit meiner zutiefst fränkischen Seele. Diese verdammte angeborene Herangehensweise, alles erstmal negativ zu sehen, das Schlimmste zu befürchten. Ich will das nicht. Wäre nicht alles viel leichter, wenn man grundsätzlich locker flockig leicht und unbeschwert und vor allem positiv an Sachen herangehen würde? Wie viele schlaflose Nächte könnte man sich sparen, all die Bauchschmerzen und das Magengrummeln. Nun, wenn es um den Glubb geht, gelingt mir das oft. Denn es gibt zum Glück genug fränkische Grantler, die noch viel schwärzer sehen als ich es in der Lage bin. Und wenn ich diese höre oder lese, dann wecken sie den Trotzkopf in mir. Dann kommt mein Beschützerinstinkt durch und diese unerschütterliche Liebe zu diesem Verein. Und dann bin ich schon aus Sturheit positiv gestimmt.

Freilich macht es uns unser Lieblingsclub nicht immer einfach, mit Argumenten für ihn zu plädieren und Zuversicht zu verbreiten. Auf die Ergebnisse der Spiele in Dortmund und Leipzig sowie zuhause gegen Hoffenheim muss ich nicht extra verweisen. Sie stecken in den Knochen. Nicht nur in denen der Spieler, sondern auch in unseren.

Als ich vergangenen Donnerstag den Auftritt der Eintracht aus Frankfurt bei ihrem Europa League-Spiel gegen Limassol verfolgte, wurde mir von Minute zu Minute banger. Das ungute Gefühl kroch richtig in mich hinein und machte sich breit. Ziemlich breit. Ich musste dann irgendwann tatsächlich den Fernseher ausgeschalten, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Nach den Leistungen und Auftritten der letzten Spieltage, wie sollte es uns da am Sonntag gegen diese vor Selbstbewusstsein nur so strotzende Elf aus Frankfurt wohl ergehen?

 

Tja, und wenn du denkst, es geht nicht mehr, dann kommt da diese Mannschaft daher, und macht dich einfach nur sprachlos. Ich muss zugeben, als ich eine Stunde vor der Partie die Aufstellung gelesen habe, trug das nicht unbedingt zu meiner Beruhigung bei. Zudem weitere Hiobs-Botschaften: Neben Mikael Ishak und Eduard Löwen nun auch noch Enrico Valentini und Ondrej Petrak verletzt. Sebastian Kerk dafür mit seinem Bundesliga-Debüt. Doch ganz ehrlich: Niemand konnte im Vorfeld einschätzen, wie er sich nach der langen Verletzungspause im Team machen würde und was er spielerisch drauf hat (abgesehen davon habe ich bei nahezu jedem Ballkontakt von ihm – wie auch schon bei seiner Einwechslung gegen Hoffenheim – gebangt, dass sich der Pechvogel wieder verletzt!). Und dann stand da noch einer in der rot-schwarzen Elf: Simon Rhein. Simon wer? Nun, die fleißigen Trainingskiebitze und U21-Gucker kennen ihn wohl, aber mir war er gänzlich unbekannt. Und was legte dieser junge Mann für einen beeindruckenden Auftritt hin! Mit Ruhe, Gelassenheit, Übersicht nahm er die 6er-Position ein – als ob er das schon seit Jahren in dieser Mannschaft machen würde. Ich kann nur meinen Hut ziehen und inständig hoffen, dass er genauso weiterspielt.

Schon nach den ersten Minuten schwand zwar nicht meine Aufgeregtheit, aber immer wieder drang ein ungläubiges Staunen durch. Das sah gut aus, was Behrens und Co. da auf dem Platz zeigten. Das sah sogar sehr gut aus! „Nix für schwache Nerven“, sagte der Nachbar neben mir. Nach den ersten 45 Minuten habe ich mich sogar ein bisschen geschämt, weil ich so ein schlechtes Gefühl und so wenig Zutrauen in Köllner und das Team gehabt hatte.

Adam Zrelak belohnte seine Einwechslung in der zweiten Halbzeit mit dem verdienten, heiß umjubelten Tor durch seine erste Ballberührung. Wir standen alle Kopf, haben uns die Freude aus dem Leib geschrien, lagen uns in den Armen, Leute purzelten umher. Rot-schwarzer Wahnsinn. Ich hätte platzen können vor Stolz auf diese Truppe auf dem Rasen.

Der Dämpfer folgte in der buchstäblich letzten Sekunde der vierminütigen Nachspielzeit. Es machte Bäng und stand Einszueins. Anstatt der hochverdienten drei Punkte sprang am Ende nur einer raus. Für eine Sekunde, die eine Ewigkeit zu dauern schien, war es mucksmäuschenstill in der Kurve. Nein, das kann nicht sein, dachte ich mir immer wieder. Wahrscheinlich habe ich es auch laut geschrien. Auch die Mannschaft war sichtlich geschockt, konnte sich über das Remis und den Punkt nicht freuen.

ABER: Aus dieser couragierten Leistung müssen wir jetzt alle Kraft und Zuversicht schöpfen. Wenn wir weiter so auftreten, ist mir nicht bange, dass wir die Liga halten können. Und das haben wir uns dann verdient.

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