5. und 6. Spieltag – Einmal Hölle und zurück, bitte!

Einmal Hölle und zurück, bitte!

Die Spieltage fünf und sechs in einem Satz: Der 1. FC Nürnberg verliert sein Spiel gegen Borussia Dortmund in historischer Höhe, gewinnt aber gegen den Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf am folgenden Spieltag mit 3:0. Anders ausgedrückt: Der Club holt in der englischen Woche aus drei Spielen sechs Punkte und schneidet damit erfolgreicher ab, als der amtierende deutsche Meister und hat in der laufenden Saison lediglich gegen den aktuellen Tabellenersten und –dritten verloren.

Aber so einfach sich das nun im Nachhinein anhört – so schwierig und nervenaufreibend war diese Woche für uns Fans. Einmal Hölle und zurück, bitte. So oder so ähnlich hätte die Beschreibung auch lauten können.

Die vergangene Woche ist ein Paradebeispiel für die Gefühlswelten (ich möchte fast sagen: Gefühlsuniversen!), die sich einem Clubfan so auftun.

Mit der Euphorie und positiven Stimmung aus dem letzten Heimspiel gegen Hannover fuhren wir am Mittwoch in den Ruhrpott. Zwei Tage Urlaub, das kann man schon mal machen, wenn unser Club jetzt schon in der ersten Liga spielt. Sogar Ulf hatte ja gesagt: „Das haben die Dortmunder noch nicht gewonnen!“ Bei meinem jetzt dritten Besuch im Signal Iduna Park erschien mir die Gelbe Wand auch gar nicht mehr soooo beeindruckend – aber dass rund 3000 Cluberer unter der Woche nach Dortmund reisten, um für ihre Mannschaft da zu sein, das war schon großes Kino. Beeindruckend waren dann aber doch die Namen, die der Stadionsprecher bei der Mannschaftsaufstellung der Borussen vorlas: Reus, Schmelzer, Pulisic, Witsel…  Ähm ja. MIR hat das schon Respekt eingeflößt – und unseren Jungs offenbar auch. Ein Debakel gegen Borussia Dortmund kann schon mal drin sein. Aber mit einem derartigen Untergang hatte ich nun doch nicht gerechnet. Mehr Worte braucht es dazu auch nicht.

Nur so viel: Selbst aus noch so schlimmen Erlebnissen kann man immer noch etwas Positives mitnehmen. Ich glaube, am meisten war die Club-Elf selbst überrascht, als die Kurve nach den torreichen 90 Minuten geschlossen minutenlang „Liebe, Glaube, Leidenschaft“ intonierte. Kann man gleichzeitig zutiefst enttäuscht und traurig, aber auch gerührt und milde gestimmt sein? Ja, man kann!

Die Jungs waren mit dem Ergebnis gestraft genug, denen hat das bestimmt auch keinen Spaß gemacht – da muss man nicht auch noch auf sie eindreschen. Was ich anschließend im Netz gelesen habe an Kommentaren, hat mich noch viel mehr geärgert, als die blöde Niederlage.

Machen wir uns nichts vor: Natürlich war der Druck nach dieser desolaten Vorstellung enorm. Aber sollten wirklich die guten Spiele zuvor, die tolle Entwicklung der Mannschaft, die schönen Momente im Stadion durch ein einziges Spiel kaputt und vergessen sein?

Nein! Aber ich muss zugeben: Ich war ziemlich nervös. Ach was: Mir ging der Allerwerteste auf Grundeis vor dem Anpfiff! Denn da war nicht nur dieser Druck und der unbändige Wunsch, es allen fränkischen Nörglern (liebe Grüße an meinen Papa an dieser Stelle – Siehste, nicht wie von dir prophezeit eine weitere Niederlage!) und Kritikern zu zeigen. Zu allem Übel ging es auch noch gegen die Fortuna aus Düsseldorf. Alle regelmäßigen Leserinnen und Leser der Wundertexte wissen es ja: Mich verbindet eine persönliche Freundschaft mit Düsseldorfer Fans. Und seinen Freunden wünscht man nun mal nichts Schlechtes. Unglücklicherweise reiste die Fortuna zudem mit exakt den gleichen Voraussetzungen wie wir an. Zwar ohne Debakel, aber ebenfalls mit einer Niederlage gegen Leverkusen unter der Woche in den Knochen und dem gleichen Stand auf dem Punktekonto.

Als leidenschaftliche Fans unserer Herzensvereine sind wir mit den Gefühlswelten des anderen natürlich vertraut, gönnen dem anderen von Herzen das Beste – außer, wenn es gegeneinander geht. Dann ist für 90 Minuten Stillstand. Aber es ist sonnenklar, und das haben wir vorher auch ausgemacht: Egal wie das Spiel ausgeht, unsere Freundschaft wird es nicht beeinträchtigen.

Nun, ich gebe gerne zu: Ich bin sehr froh und erleichtert gewesen, dass Claus und Guido es waren, die es etwas schwerer hatten, unsere Abmachung einzuhalten. Das 3:0 fiel in meiner Betrachtung etwas zu hoch aus – aber natürlich war ich gottfroh und wahnsinnig erleichtert. Noch nach dem 2:0 habe ich gezittert, denn hätte die Fortuna den Anschlusstreffer geschafft, wäre es nochmal gaaaanz eng geworden. So fielen mir nach dem Abpfiff tausende von Tonnen an Steinen vom Herzen. Ich war einfach nur glücklich.

Claus und Guido haben wir mit gutem fränkischen Bier und Essen dann doch wieder in gute Stimmung bekommen. Absteigen werden beide Vereine nicht, haben wir beschlossen.   

 

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