32. Spieltag – Club gegen Braunschweig

Mein Herz schlägt für den FCN

So zurückhaltend eigenbrödlerisch wir Franken oft sind, so überschäumend euphorisch können wir auch sein. Als am Montagabend zum ersten Mal „Erste Runde Bukarest…“ durch´s Achteck schallte, hielt ich mich noch vornehm zurück. Aber an diesem Abend passte einfach alles. Die grandiose und souveräne Leistung der Mannschaft auf dem Platz, die Stimmung von der ersten Sekunde weg auf den Rängen, ein fast ausverkauftes Stadion und natürlich das Ergebnis. Und deshalb sang ich doch aus tiefstem Herzen und voller Inbrunst das Europa-Pokal-Lied mit. Bukarest, Rom, Kopenhagen, Rotterdam, Mailand, Teneriffa. An so einem Abend darf man schon mal träumen, finde ich.

Vor Club-Spielen bin ich ja generell aufgeregt, aber dieses Mal hatte es mich besonders schlimm erwischt. Der freie Montag ging gefühlt nur mit Warten auf den Abend drauf. Und der Tag schleppte sich quälend langsam dahin. So optimistisch ich nach unserem Sieg in Kiel noch gewesen war, so frustriert war ich dann am Sonntag vom Ergebnis der Partie der Schanzer gegen die Nordlichter. Ließen die sich doch echt glatt mit 5:1 abschlachten. Zum Haare raufen. Obwohl im Grunde ja nichts passiert war: Wir hatten und haben es immer noch selbst in der Hand, uns den 2. Platz zu sichern. Aber Kiel sitzt uns so ekelhaft nahe im Nacken. Ständig kann man ihren Atem spüren. Wir sind so kurz vor dem großen Ziel – da werden uns doch diese Holsteiner nicht etwa im letzten Moment noch ein Bein stellen? Wo die nicht mal ein erstligataugliches Stadion haben?!

Der Druck war also immens. Ich weiß nicht, wie es euch geht – aber ich kann mit solchem Druck nur sehr schlecht umgehen. Natürlich ist der Glubb unser Herzensverein, unsere Heimat, unsere Religion. Mit rationalen Argumenten oder klarem Verstand kommt man da nicht weiter. Aber im Berufsleben müssen fast alle von uns mit stressigen und herausfordernden Situationen umgehen – und unserer Fußballer sind nun mal Profis. Das sagt mir zumindest mein Kopf. Mein Bauch hingegen grummelt, produziert ein mehr als flaues Gefühl. Schließlich sind Hanno Behrens und Co. auch nur Menschen.

Trotzdem: Die Vorfreude auf`s Spiel ist bei mir immer groß. Auch wenn es sich etwas paradox anhört, weil ich mir vor Aufregung fast in die Hose mache, und ich mir vor jeder Partie wünsche, dass „es scho rum wär und der Glubb gwunna hätt.“ Matchday bedeutet aber mehr, als nur das rein sportliche Ereignis. Nämlich: sich gemeinsam mit den Freunden über mögliche Aufstellungen austauschen, zusammen träumen, Spaß haben, die Aufregung teilen, lieben Menschen, die nicht dabei sein können, Fotos und Nachrichten schicken. Leute treffen, die man schon ewig kennt, aber nur beim Glubb trifft. Menschen, die man schon Jahre nicht mehr getroffen hat, wiedersehen.

Über 45.000 fanden beim letzten Flutlichtspiel der Saison am Montag den Weg ins Max-Morlock-Stadion. Und was bekamen sie geboten! Angefangen von der genialen Choreo (Ja: Auch wenn es verboten ist, auch wenn es gefährlich ist – das weiß ich alles. Aber eine solche Pyro-Show ist einfach der Wahnsinn!), weiter über die Leistung der Rot-Schwarzen auf dem Platz bis hin zu den Zuschauern, die ihren Glubb frenetisch über 90 Minuten angefeuert und gefeiert haben, passte an diesem denkwürdigen Abend einfach alles. Die Gänsehaut ging gar nicht mehr weg, die Worte „glückselig“ und „freudetrunken“ bekamen eine tiefere Bedeutung.

Jetzt übertreibt sie aber ein bisschen, mag der ein oder andere nun vielleicht denken. Nein. Tue ich nicht. Es ist exakt das, was ich gefühlt habe, als ich das Europa-Pokal-Lied gesungen habe, als Ulf, Oli und ich uns in den Armen gelegen, wir unsere Nachbarn glücklich lachend abegklatscht haben. Solche Glücksgefühle gibt’s nur beim Club.

Jaha! Freilich weiß ich auch, dass immer noch nix fix ist. Dass immer noch auch die Relegation winken kann. Oder wie Oli, unser vernünftiger Bedenkenträger, uns immer wieder daran erinnerte, dass man beim Glubb bereits so einiges erlebt habe. Beim Europa-Pokal-Lied raunte er uns mit erhobenem Zeigefinger zu: „Jetzt fehlt nur noch der Blumenstrauß.“ Den man anno 1999 Friedel Rausch vor dem letzten Spiel zum geglückten Klassenerhalt überreicht hatte – und der nach dem Spiel schon verwelkt, weil der Club doch noch abgestiegen war. Unser Oli. Aber er hat ja Recht, irgendjemand muss kühlen Kopf bewahren.

Ich nicht. Kommenden Sonntag stürmen wir Sandhausen.

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