31. Spieltag – Club gegen Holstein Kiel

Laufen macht mich glücklich.

Es macht mir jeden Tag den Start in den Tag erträglicher, den Kopf frei,gute Laune, wenn ich schlecht drauf bin, hilft mir bei Entscheidungsfindungen, relativiert Probleme, lässt mich Unangenehmem leichter entgegen sehen, macht mich ruhiger.

Selten, wirklich sehr selten, kommt es vor, dass ich schon vor dem Lauf glücklich bin. Wenn ich allerdings bereits im Morgengrauen von selbst aufwache, obwohl Beine und Augenlider noch schwer sind, noch ein bisschen Restalkohol durch die Adern fließt und ich trotzdem putzmunter, bestens gelaunt und mit einem Dauergrinsen im Gesicht meine Laufschuhe schnüre, dann kann das nur einen Grund haben: Mein Glubb hat gewonnen. Und wie er gewonnen hat! Und was für ein wichtiges Spiel er gewonnen hat!

Tatsächlich musste ich erst mal noch einen Blick aufs Handy werfen, nur so zur Sicherheit. Ja, der Kicker zeigte immer noch als Ergebnis ein 1:3 für den FCN an. Und eine Whatsapp-Nachricht versicherte mir: „Nein, du hast nicht geträumt: Der Club hat tatsächlich gewonnen!“

Mit der Auswärtsfahrt in den hohen Norden hatte es zwar berufsbedingt nicht geklappt, aber meine Fortbildung in Kulmbach nutzte ich, um mich bei meinen lieben Freunden vom Gut Leimershof einzuladen. Und so saßen Marco, Andi, mein Kollege und ich am eigentlichen Ruhetag abends bei Lisa und Helmut am Stammtisch.

Meine über den Tag hinweg minütlich gestiegene Aufregung war auf der Hinfahrt nochmal durch einen gehörigen Adrenalinstoß befeuert worden: Die Aufstellung. Thorsten Kirschbaum im Tor, Laszlo Sepsi in der Startelf. Ernsthaft? Ernsthaft. Herr Köllner wird schon wissen, was er tut, dachte ich mir.

Vor dem Anpfiff waren Lisa und ich zwei Häufchen Elend. Und das änderte sich auch nicht, als uns der fachkundige (*hüstel*) Helmut schon nach wenigen Minuten erklärte, dass das das beste Spiel des Clubs sei, das er seit Jahren gesehen habe. Jo. Dazu sollte man wissen: Helmut ist jetzt nicht unbedingt für seine Fußballleidenschaft bekannt – ganz im Gegensatz zu seiner Frau und den beiden Söhnen. Allerdings, ich geb´s ja nur ungern zu, muss ich ihm echt Recht geben. So im Nachhinein betrachtet war es eine beachtliche spielerische und Willensleistung unserer Rot-Schwarzen mit einem hochverdienten Resultat. Und im Nachhinein muss ich auch bei den Herren Kirschbaum und Sepsi Abbitte leisten. Respekt! Sehr gute Leistung! Wenn halt zwischen „vor dem Spiel“ und „nach dem Spiel“ nicht diese 90 + X aufregenden, nervlich kaum auszuhaltenden Minuten Spannung liegen würden!

Nach dem schnellen Ausgleichstreffer der Kieler, dem unberechtigten Elfer, war mir so gar nicht zum Lachen zumute. Gelassenheit… nun ja. Sieht wohl anders aus. (Nein, Andi, das mit dem Pulsmesser lassen wir!) Noch in der ersten Halbzeit musste ich den ersten Schnaps trinken.

Selbst nach dem 2:1 und dem 3:1, ja selbst in der 94. Minute zitterten Lisa und ich noch. Als Clubfan hat man schließlich seine Erfahrungen und unsere Leidensfähigkeit hat unser Herzensverein ja schon oft genug geprüft. Bis zum erlösenden Schlusspfiff hatte ich den zweiten Schnaps intus. Und plötzlich war alles gut.

Für fränkische Verhältnisse waren wir geradezu ausgelassen vor Freude und – fei werkli – geradezu optimistisch-fröhlich. Es musste keiner laut aussprechen, aber wir dachten alle das Gleiche: Das war der entscheidende Schritt zum Aufstieg.

Die Mannschaft war brutal unter Druck bei diesem Spiel gegen einen Mitkonkurrenten, der penetrant im Nacken sitzt und von dem jeder seit dem 2. Spieltag gesagt hatte, dass er „auf jeden Fall noch einbrechen und durchgereicht wird.“ Die typischen fränkischen Nörgler hatten natürlich alle prophezeit, dass die Jungs das nicht packen würden, schon gleich gar nicht ohne Ewerton und Tim Leibold. Aber sie haben`s allen gezeigt. Dass sie können und dass sie wollen. Allen voran unser Kapitano Hanno Behrens. Und wenn ich mir ausmale, Mikael Ishak hätte sich nicht verletzt… ich wage zu behaupten, wir stünden schon lange als Aufsteiger fest.

Freilich sollte man die Feste erst feiern, wenn sie tatsächlich gefeiert werden können. Aber Montagabend waren wir einfach schon mal in Blubberwasserlaune. Ein Fläschchen echten FCN-Sekt haben wir getrunken. Und wie gut der geschmeckt hat!

Leute, ich habe so eine unbeschreibliche Vorfreude auf die letzten 3 Spieltage… Es wird klappen! Wir werden nächste Saison wieder da sein, wo wir hingehören: in Liga 1!

Der Glubb macht mich glücklich.

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