27. Spieltag – Wir sind im Flow

Spieltag 27 gegen den FC Augsburg in einem Satz: Nach 20 Spielen ohne Sieg gelingt dem 1. FC Nürnberg ein Big-Point gegen den schwäbischen Verein und gewinnt mit sage und schreibe 3:0.

Oh, wie ist das schön – sowas hat man lange nicht gesehen! Kein Lied hätte nach dem Schlusspfiff besser gepasst und auch ich habe es aus tiefstem Herzen mitgesungen. Was waren wir Fans ausgehungert, wie haben wir uns verzehrt nach einem Sieg. Und endlich, endlich war es so weit.

Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten: Optimaler hätte es an diesem Spieltag tatsächlich nicht laufen können. Drei Punkte gegen Augsburg und die Konkurrenz verliert, so dass wir nun auf vier Punkte an den Relegationsplatz herangerückt sind. Die grenzenlose Erleichterung und die Glücksgefühle, die einem Glubberer nach dem so lang ersehnten Sieg durchströmen, kann nur nachempfinden, wer die 20 Spiele vorher miterlebt und mitgelitten hat. Oder wie Kollege T. es danach in bierseliger Laune (und nicht mehr ganz Herr seiner Zunge) ausgedrückt hat: „Müssen wir jetzt immer 20 Spiele verlieren, um uns so freuen zu können?“

Nein! Müssen wir nicht! Und sollten wir auch nicht!

Denn (Achtung, Phrase) nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und das anstehende Match gegen den VfB Stuttgart dürfte wohl mit das wichtigste dieser verkorksten Saison werden. „Heute gilt’s“, stand auf einem Plakat, das die Augsburger am Samstag in ihrer Kurve in die Höhe hielten. Es erschloss sich mir nicht so wirklich, warum die Schwaben sich bzw. ihrer Mannschaft diese (in meinen Augen unnötige) Bürde aufgelastet haben. Im Vergleich zu uns steht der FCA ja relativ gut da. Aber wenn’s gegolten hat – dann muss sich der FCA nun eben doch nochmal warm anziehen. Wir sind ganz klar die Gewinner dieses Spieltags und sollten den psychologischen Vorteil nutzen.

Aber zurück zur Partie. Sonnenschein und über 42.000 Zuschauer im Stadion – eine viel bessere Kulisse gibt es eigentlich nicht für’s Fußball-Herz.

Obwohl ich solche Spiele ja hasse, bei denen es um so viel geht. Das machen meine Nerven einfach nicht mit. Nein, stimmt nicht. Sie machen es natürlich mit, weil ich es ihnen jedes Mal aufs Neue antue. Manch einer mag ja sogar auf diese Art von Nervenkitzel stehen. Ich tue es definitiv nicht. Mich erdrückt die Belastung, mir schnürt es die Kehle zu, mein Magen rebelliert. Wenn ich mir dann erst noch vorstelle, wie sich die Spieler und der Trainerstab fühlen müssen… Oder an die Schmach denke, wenn alle fränkischen Berufspessimisten hinterher mal wieder sagen können, sie hätten’s ja schon vorher und überhaupt gewusst…

Dieses Mal war es aber seltsamerweise irgendwie anders. Norbert und ich hatten am Abend vorher noch überlegt, wer wohl unsere Tore schießen solle. Zu jedem potenziellen Schützen fiel uns ein Argument ein, warum es NICHT klappt. Letztlich einigten wir uns darauf, dass es egal sei. Und plötzlich, ich kann nicht mehr beschreiben, wie es genau passiert ist, war Norbert „im Flow“. Und hat mich mitgerissen.

Alles fließt.

Alles wird gut.

Man muss nur dran glauben.

Unser Glubb lebt, wird niemals untergehen.

Tatsächlich steckten wir auch am Matchday alle unsere Freunde mit dem Flow an. So im Flow lässt sich doch alles etwas leichter ertragen.

Auch wenn es sich mit dem Anpfiff die wohlbekannte Nervosität bequem in meinem Körper machte, konnte ich den Druck gut ertragen. Wahrscheinlich auch, weil irgendwie das ganze Achteck „im Fluss“ war und vor Energie, Willenskraft und Stärke strotzte. Von der ersten bis zur letzten Sekunde gaben wir Fans wirklich alles, haben geklatscht, gesungen, geschrien… Ich möchte fast behaupten, es war so etwas wie ein gelebtes Paradebeispiel für die Phrasen „Wir sind der zwölfte Mann“ und „Die Fans haben den Club zum Sieg getragen“. Ob unsere Jungs auf dem Platz das gespürt haben, ob sie besser waren oder von den Unzulänglichkeiten der Augsburger profitiert haben (oder alles drei), ist eigentlich wurscht. Fakt ist: Es hat drei Mal im Augsburger Kasten geklingelt, wir haben unsere Negativserie beendet und starten jetzt einen Siegeslauf.

Warum nicht einen neuen Rekord aufstellen: Nicht-Abstieg mit den wenigsten Punkten auf dem Konto. Schließlich sind wir im Flow!

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