13. Spieltag – Slapstick im Achteck

Slapstick im Achteck

Spieltag 13 gegen Bayer 04 Leverkusen in einem Satz: Der 1. FC Nürnberg holt sich in einer wahren Wasserschlacht einen Punkt gegen die Werkself – aufgrund der zweiten Hälfte zumindest einigermaßen verdient. Richtig voran bringt uns der Punkt – auch angesichts der anstehenden Gegner – nicht.

Es gibt so Fußballspiele, die man nie mehr vergisst. Weil die Mannschaft einen Rückstand noch gedreht oder einen besonders ungeliebten Gegner besiegt hat. Weil wir eine außerordentlich hohe oder unglückliche Niederlage einstecken mussten.  Weil man mit einem lieben Menschen im Stadion war, es eine herausragende Choreo gab – oder weil das Wetter besonders widrig war. Es wäre freilich schön gewesen, die Partie gegen Leverkusen in die Kategorie „spielerische und taktische Meisterleistung und verdienter Sieg des Glubb“ einordnen zu können. Oder einfach in „verdienter Sieg“. Oder nur „Sieg“. Meinetwegen auch mit einem Spiel, das man wieder vergessen kann.

So müssen wir aber über’s Wetter reden. Das Gute am Wetter ist ja, dass keine Mannschaft benachteiligt wird, weil alle mit den gleichen Bedingungen umgehen müssen. Extreme Hitze oder eben Regen sind Teil des Kräftemessens zwischen zwei Teams, die einen Outdoor-Sport betreiben. Und sind somit auch Teil des Wettbewerbs, wer besser damit umgehen kann.

Rein nominell war natürlich klar, dass der Club als Underdog in das Match gehen würde: 270 A-Länderspiele gegen 150 Bundesligaeinsätze, keine Frage, wer da der Favorit ist. Nun hat sich die Bayer-Elf in dieser Saison aber auch nicht sonderlich konstant und erfolgreich präsentiert. Doch dass die Leverkusener technisch und spielerisch überlegen waren, hat sich ganz schnell gezeigt. Ich habe die Anzahl der brenzligen Situationen vor unserem Tor in der ersten Halbzeit nicht mitgezählt. Dazu ein wackliger Torwart – ich hatte eigentlich gehofft, dass diese Zeiten vorbei sind. Da haben uns die Bodenverhältnisse tatsächlich eher in die Karten gespielt. Letztendlich schaut die Partie auf dem Papier nicht ganz so schlecht aus, wie ich sie live vor Ort empfand: Aus vier Schüssen auf’s Tor haben wir immerhin genauso viele Treffer erzielen können wie die Leverkusener aus sechs. Auch fast 70 Prozent Ballbesitz hat der Bayer-Elf nicht zu noch mehr Toren verholfen, genauso wenig wie uns unsere Zweikampfquote von 54 Prozent. 14 Fouls und drei gelbe Karten standen zudem auf unserer Haben-Seite: Das dürfte zumindest diejenigen freuen, die bisher meinten, der Club agiere zu brav und zu wenig robust.

Ob die Bedingungen im Max-Morlock-Stadion nun freilich erstligawürdig waren – darüber lässt sich trefflich streiten. Fakt ist: Oft war es mehr Slapstick als ein Fußballspiel unter regulären Bedingungen. Frau Steinhaus befand die Situation als „nicht so schlimm“. Wahrscheinlich war sie aber auch mit ihrer eigenen Leistung zufrieden oder fand sie „nicht so schlimm“. Ich kann da nur Stefans selbstverständlich genderangepasste Titulierung wiederholen: Schieberin!!

Ein Wort noch zu den Fanprotesten im Rahmen des bundesweiten Aktionsspieltags von Liga eins bis vier. Ich bewundere wirklich alle Auswärtigen, insbesondere meine Freunde aus Reckendorf oder Herrieden, die an einem Montagabend, zumal bei diesen widrigen und im Straßenverkehr richtig gefährlichen Wetterbedingungen nach Nürnberg reinfahren, um ihre Mannschaft anzufeuern. Sie sind rund eine Stunde mit dem Auto unterwegs, weil sie die letzte S-Bahn nicht mehr kriegen würden, kommen entsprechend spät nach Hause und müssen am nächsten Tag wieder in die Arbeit. Klaro, für den Glubb nimmt man viel auf sich und tut das auch gerne. Aber mit fanfreundlichen Anstoßzeiten hat das nichts zu tun. Dagegen friedlich (!) und konstruktiv zu demonstrieren finde ich wichtig – zumal vorher ganz deutlich klar kommuniziert worden war, dass sich der Protest ausdrücklich nicht gegen die Mannschaft richtet. Schließlich gab es auch eine enge Abstimmung mit den Verantwortlichen beim 1. FCN. Dass die Blöcke 7,9 und 11 in der ersten Halbzeit komplett geschlossen blieben, war durchaus wirkungsvoll. Alle, die jetzt argumentieren, dass die DFL ja bereits angekündigt habe, dass es nach der Spielzeit 20/21 keine Montagabendspiele mehr in der Bundesliga geben werde, sei entgegnet: Es geht nicht nur um Liga eins, sondern um alle Profi-Ligen und um alle Fans!

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