12. Spieltag – Der Club mit dem Helfersyndrom

Spieltag zwölf gegen den FC Schalke 04 in einem Satz: Der 1. FC Nürnberg verliert in der ausverkauften Veltins Arena mit 5:2. Und hat wieder einen Gegner aufgebaut.  

Ehrlich gesagt: Bis dato war mir der FC Schalke 04 relativ egal. Jaja, ich weiß schon, als Clubfan darf man das eigentlich nicht sagen. Schließlich gibt es ja diese bundesligaweit einmalige Fanfreundschaft. Ok, freilich war es schön, dass es bei Spielen gegen die Knappen keine Fantrennung und offene Türen im Stadion gab, dass alles immer entspannt-fröhlich verlief (so wie es eigentlich bei jedem Spiel – mit Ausnahme von zwei oder drei Vereinen – ablaufen sollte…). Die Glückwünsche zum Aufstieg aus der Schalker Arena im Mai dieses Jahres – das war schon toll. Was bei mir aber auch im Gedächtnis ist: Die Blau-Weißen kaufen uns unsere Spieler weg, werfen uns aus dem Pokal und wann wir das letzte Mal gegen sie gewinnen konnten… ich erinnere mich nicht.

Die Auswärtsfahrt nach Gelsenkirchen fiel für mich – natürlich neben dem Support für unsere Mannschaft – daher eher unter die Rubrik „ein weiteres Bundesliga-Stadion anschauen“. Friedliche und unterhaltsame Anfahrten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln hatten wir zudem auch schon in Berlin, Bremen und sogar Dortmund. Aber das Spektakel im Stadion hat wirklich alles getoppt, was ich bisher auswärts erlebt habe. Mit seinem Ticket wurde man sogar an jedem Eingang reingelassen, egal auf welchem Block man war (ich glaube, das ist bei uns technisch gar nicht möglich!). Unsere Legende wurde gespielt und fast das ganze Stadion hat mitgesungen. Das war schon Gänsehaut. Aber die Choreo durch das ganze Stadion – wow! Teil dieser Inszenierung sein zu dürfen hat sich einfach nur grandios angefühlt und plötzlich war mir auch klar, was es heißt, eine Fanfreundschaft zu leben und zu erleben. Ganz, ganz großes Kino!

Vom Spiel selbst kann ich nicht viel berichten – die Fahnen, die vor meiner Nase hin- und hertanzten könnte ich genauer beschreiben. Ich habe kein einziges der Tore gesehen und auch von der Partie so gut wie nichts mitbekommen. Trotz der unglaublich tollen Atmosphäre hat sich für mich alles ein bisschen wie in Watte gepackt angefühlt. Alles irgendwie so gedämpft. Unseren Gesang empfand ich als sehr leise, die Schalker aus deren Nordkurve ebenfalls. Gespürt habe ich lediglich, dass nach dem Anschlusstreffer zum 3:2 für uns noch was gegangen wäre. Da schwoll die Lautstärke in unserem Block wieder an und es war eine Energie zu spüren, die sich auf den Platz, auf unsere Jungs zu übertragen schien. Bis Robert Bauer die Gelb-Rote kassierte und alles dahin war. Fünf Treffer standen am Ende auf deren Schalker Habenseite – wobei sich fast alle, die das Spiel verfolgen konnte, einig waren, dass dieses Ergebnis zu hoch war. Wie auch immer. Trotz Fanfreundschaft, Wahnsinns-Choreo, tollen Erlebnissen und Begegnungen (zum Beispiel mit Mitgliedern des ersten finnisch-norwegischen Schalke-Fanclubs): Es bleibt eine weitere Niederlage zu verbuchen. Wieder keine Punkte gegen den Abstieg gemacht.

Der Club als Aufbaugegner, Krisenhelfer und Retter in der Not. Alles ehrenwert. Und ich sage auch ein „gern geschehen“ – wenn alle Klienten, denen wir nun gute Therapeuten waren, sich in der Rückrunde auch entsprechend revanchieren!

Kennt ihr diese logischen Aufgaben, die man zum Beispiel bei Einstellungstests machen muss? Da wird eine Zahlenreihe aufgeführt, und man muss sie fortführen. 7 – 6 – 5 – ?. Jetzt käme, na? Richtig, die 4. Betrachten wir also die Anzahl der Gegentore seit Dortmund mit mathematischer (weiblicher) Logik, so dürften es also gegen den Verein aus der bayerischen Hauptstadt beim nächsten Auswärtsspiel vier werden. In normaler Form des Gegners wären vier Gegentore eigentlich realistisch. Tja, aber nun ist auch der übliche Primus der ersten Liga, wie könnte es in unserer derzeitigen Situation anders sein, in einer „schweren Krise“. Hielt sich schon bei den vorherigen Auswärtsgegnern mein Mitleid stark in Grenzen, so existiert es bei den Bayern mit Sicherheit nicht. (Gibt es eigentlich negatives Mitleid?) Immerhin müssten wir – weiter in meiner Logik bleibend – bei der Auswärtspartie in Düsseldorf die Null stehen haben. Und dann besiegen wir den SC Freiburg am letzten Spieltag mit 6 zu Null und feiern den Klassenerhalt.

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