Spieltag 28 | SSV Jahn Regensburg

Spieltag 28 im Kurzüberblick:

Gegner: SV Jahn Regensburg

Ergebnis: 2:2

Gefühlslage nach dem Match: genervt

Der Song zum Spiel: Killing in the name (Rage Against The Machine)

Um mich herum jubelten sie, als hätten wir Fünfnull gewonnen. In meinem Kopf dagegen fuhren die Gedanken Achterbahn und meine Gefühlswelt war – mal wieder – komplett durcheinander gewürfelt. Ja, der Club spielt wieder…

Beim Superdusel-Ausgleichs-Eigentor-Treffer in der 93. Minute regte sich in mir – nichts. Gar nichts. Ich blieb einfach ganz ruhig sitzen. Sah, wie alle um mich herum aufsprangen, die Hände nach oben reckten. Hörte, wie sie jubelten, lachten. Ich nahm diesen Moment wie neben mir stehend wahr. Es war irgendwie irreal. In meinem Kopf ging es nicht zusammen. Da freuen sich Menschen ausgelassen, und zwar eben jene, die zuvor ungefähr 60 Minuten lang kein gutes Haar am Club gelassen hatten. Die geschimpft, gezetert, gemeckert, gelästert hatten. Die verärgert und sauer auf einzelne Spieler, die gesamte Mannschaft und nicht zu vergessen den Verein als solches waren. Eine Stunde lang habe ich sie mir angehört. Weghören ging nicht. Die düsteren Horrorszenarien und das ungefiltert herausgehauene Gedankengut aus den Köpfen, in Teilen unter der Gürtellinie – all das hat mich weit mehr heruntergezogen als das Spiel unseres Glorreichen selbst. Und das will was heißen…

Ganz naiv und blauäugig bin ich ja nun auch nicht. Nach anfänglich guten Minuten und dem zu dem Zeitpunkt verdienten Führungstreffer durch Mikael Ishak verlor die Mannschaft zusehends an Mut, Entschlossenheit und Zutrauen. Man konnte förmlich spüren, wie die Unsicherheit mit jedem Fehlpass, jeder misslungenen Aktion um sich griff. Nach einer halben Stunde war es denn auch schon wieder vorbei mit der rot-schwarzen Spiel-Herrlichkeit. Der Anschlusstreffer durch den Jahn – natürlich kurz vor der Halbzeit, „dübbisch“ – lag freilich in der Luft.

Als die Regensburger dann kurz nach Wiederanpfiff auch noch in Führung gingen, war das Spiel wie von vielen Anwesenden herbeigeredet, gedreht. Und alles schlecht. Angsthasenfußball. Die haben die Hosen voll. So reicht’s nicht mal für die dritte Liga. Und so weiter und so fort.

Ich hatte – falls jemand fragt: Warum bist du nicht einfach gegangen? – tatsächlich den Dauerimpuls aufzustehen und rauszugehen. Aber irgendwas hielt mich. Im Stadion bleibe ich immerhin auch, bis auf ganz, ganz seltene Ausnahmen, bis zum bitteren Ende. Und ich hatte mich nach den wochenlangen Einschränkungen ehrlich gesagt wirklich darauf gefreut, mit anderen Leuten wieder gemeinsam Fußball zu schauen. Und vernünftig und realistisch denkende Menschen, werden mir auch – zurecht – entgegenhalten, dass das unter Glubberern ja genau so erwartbar war. Vielleicht war ich es einfach nicht mehr gewohnt. Und habe es insgeheim sogar trotzdem auch vermisst?

Nun, der Tisch für Samstag ist reserviert. Vielleicht kann sich diesmal ja der gesamte Saal über ein Fünfnull unseres Clubs freuen! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und die rot-schwarze nie!

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